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Wörterbuch der Theaterpädagogik (erschienen 2003)

Theater der Versammlung

Wie können verschiedene Wissensformen, zwischen denen sich Hierarchien und Abgrenzungsstrategien herausgebildet haben, auf produktive und gesellschaftlich relevante Weise neu in Beziehung gesetzt werden? Im TdV erproben PerformerInnen gemeinsam mit Hochschulangehörigen so unterschiedlicher Studiengänge wie Bildungsforschung, Ethnologie, Informatik, Jura, Psychologie oder Wirtschaftswissenschaften ,Verkehrswege‘ zwischen künstlerischen und theoretischen Zugängen zur Wirklichkeit, die auch in und von außeruniversitären (Aus-)Bildungszusammenhängen beschritten werden können: deshalb die Bezeichnung ,Theater der Versammlung zwischen Bildung, Wissenschaft und Kunst‘.
Ansätze und Methoden zu dieser Konfrontation der Arbeitsweisen entwickelte 1992 bis 1995 ein → Modellversuch, der von der Bund-Länderkommission für Bildungsfragen eingerichtet und an der Universität Bremen durchgeführt wurde (vgl. Beck u. a.). Eine untersuchende  Form  der  Theaterarbeit  mündet  in ,grenzüberschreitende‘ Veranstaltungsdramaturgien und eine kontext- und dialog-orientierte Aufführungspraxis in den Bereichen (Hoch-)Schule, Beruf und Wirtschaft, Gesundheit, Kultur. Beeinflusst von Forschungsrichtungen, wie sie in den USA z. B. von Dwight Conquergood oder Richard → Schechner in den Performance Studies vertreten werden, verbindet das TdV Feldforschung als ,teilnehmende Beobachtung‘, künstlerische Produktion und theoretische Analyse mit Eingriffen in die Inszenierungen der Realität.

Beck, Johannes/Holkenbrink, Jörg/Kehl, Anne (Hg.): Tragt Masken, schont das eigene Gesicht. Performance zwischen Bildung, Wissenschaft und Kunst. Bremen 1996; Conquergood, Dwight: Performance Studies. Interventions and Radical Research. In: The Drama Review, 46. 3. 2002; Schechner, Richard: Performance Theory. New York 1988.

JÖRG HOLKENBRINK

Didaktik – Hochschuldidaktik – Performance

Ein Service des Deutschen Archiv für Theaterpädagogik · DATP
und des Schibri Verlags
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