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Wörterbuch der Theaterpädagogik (erschienen 2003)

Piscator, Erwin

1893–1966. Regisseur, Theaterleiter. Gründete 1919 in Berlin das Proletarische Theater. 1924 Inszenierung von Alfons Paquets Stück Fahnen an der Berliner Volksbühne, für das P den Begriff Episches Theater prägte; darunter verstand er in erster Linie politisches Theater. Anlässlich der Reichstagswahlen 1924 inszenierte P seine erste große Revue (Revue Roter Rummel). Diese dramaturgische Form erlaubte es, schnell und direkt auf politische Tagesereignisse zu reagieren. 1927 eröffnete P mit der Uraufführung von Ernst Tollers Stück Hoppla, wir leben! in Berlin seine erste eigene Bühne, die erste Piscator-Bühne, wo u.a. Bertolt Brecht zu seinen Mitarbeitern gehörte. 1929 gründete er die zweite, 1931 die dritte Piscator-Bühne. 1931 Emigration, zunächst in die Sowjetunion, 1936 nach Paris, 1939 in die USA. 1951 Rückkehr nach Deutschland. 1962–66 Intendant der Freien Volksbühne Berlin, wo er vor allem Uraufführungen der Dokumentarstücke von Rolf Hochhuth, Heinar Kipphardt und Peter Weiss herausbrachte. Für P ist Theater ein weltanschauliches, politisches Instrument, um die Wirklichkeit zu verändern. Aus dieser Funktion ergeben sich die künstlerischen Mittel, wie die Nutzung des Montageprinzips und der Einsatz der Bühnentechnik  (Film und  Diaprojektionen,  Etagenbühne, laufende Bänder).

Das politische Theater. Berlin 1929; Schriften. 2 Bde. Berlin 1968; Theater der Auseinandersetzung. Ausgewählte Schriften und Reden. Frankfurt a. M. 1977; Theater, Film, Politik. Ausgewählte Schriften. Berlin 1980; Zeittheater. ,Das politische Theater‘ und weitere Schriften von 1915–1966. Reinbek 1986.

Fiebach, Hans-Joachim: Von Craig bis Brecht. Studien zu Künstlertheorien des 20. Jahrhunderts. Berlin 1975.

GABI BEIER

Ein Service des Deutschen Archiv für Theaterpädagogik · DATP
und des Schibri Verlags
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