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Wörterbuch der Theaterpädagogik (erschienen 2003)

Atmung

Der Körper ist das Instrument des Schauspielers. Mit der Körperhaltung, dem Gesichtsausdruck, der A und der Stimme drückt er Emotionen aus, die sich auf den Zuschauer übertragen.

Die A ist u. a. ein mechanischer Bewegungsvorgang und dadurch unserem Bewusstsein zugänglich. Während des Einatmens bewegt sich das Zwerchfell nach unten, die Körperwände weiten sich, während des Ausatmens schwingen das Zwerchfell und die Körperwände in die Ausgangslage zurück. Diese rhythmische Atembewegungswelle formt den Körper unablässig. Der Atemrhythmus besteht aus drei Phasen: Einatmung, Ausatmung und Atemruhe. Er kann ebenso variieren wie die Frequenz, die Anzahl der Atemzyklen pro Minute. Atemform, Atemrhythmus und Atemfrequenz werden beeinflusst durch Impulse aus der  Außen und Innenwelt.

Zwischen Atmungsmustern, Körperhaltung, Gesichtsausdruck und emotionalen Zuständen besteht ein empirisch nachweisbarer enger Zusammenhang. Die Bedeutung der A für die Ausdrucksfähigkeit hat besonders  Antonin Artaud  betont,  der  die  Schauspieler aufforderte, mit verschiedenen Elementen der A zu experimentieren. Die A wird unbewusst gesteuert, ist aber aufgrund der Empfindungsfähigkeit dem Bewusstsein zugänglich und in Grenzen beeinflussbar. Wir können die eigenverantwortliche Wahrnehmung der Atemmuster fördern und sie – nicht manipulativ – über Bewegungen und Achtsamkeit beeinflussen, so dass mit der Ausweitung der Atemmuster die Flexibilität der Gefühlsstruktur erweitert wird, die sich auch in Körperhaltung und Gesichtsausdruck niederschlägt.

Atemschulung kann so einen entscheidenden Beitrag zur Förderung der Ausdrucksfähigkeit leisten. Die Fähigkeit, den Leib zu spüren, die Schulung des Empfindens, ist gleichzeitig bedeutsamer Teil der ästhetischen Erziehung als Teil der Persönlichkeitserziehung (vgl. Wellner-Pricelius).

Artaud, Antonin: Das Theater und sein Double. Frankfurt a. 1979; Middendorf, Ilse: Der erfahrbare Atem. Paderborn 1995; Wellner-Pricelius, Brigitte: Leib, Atem, Stimme. In: Mattenklott, Gundel/Rora, Constanze (Hg.): Arbeit an der Einbildungskraft. In: Praxis Musisch-Ästhetischer Erziehung, Bd. 1. Hohengehren 2001.

BRIGITTE WELLNER-PRICELIUS

Sprechen – Sprecherziehung

Ein Service des Deutschen Archiv für Theaterpädagogik · DATP
und des Schibri Verlags
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